SECFORS
Security an der Fachhochschule Rhein-Sieg
Skalierbarkeit beim Betrieb von Key Recovery Centern
Maßnahmen zur Realisierung unterschiedlicher Sicherheitsniveaus
Thomas Hungenberg
03. Mai 1998
Dieser Text schlägt eine Skalierung von Sicherheitsstufen vor,
mit deren Hilfe unterschiedliche Sicherheitsniveaus beim Betrieb von
Schlüssel-Archiven (Key Recovery Centern) erreicht werden
können. Mit steigender Sicherheitsstufe steigt der
Widerstandswert des Schlüssel-Archivs.
Mit dieser Skala läßt sich ein Schlüssel-Archiv an
unterschiedliche Sicherheitsanforderungen anpassen. Die jeweils
aktuell angemessene Sicherheitsstufe muß im Falle der
Realisierung anhand einer vollständigen Risikoanalyse festgelegt
werden.
Tabelle 1 zeigt eine Auflistung der sieben hier verwendeten
(Grund-)Sicherheitsstufen und die dabei jeweils erforderlichen
Maßnahmen, die nachfolgend genauer erläutert werden. Bei
der Darstellung der einzelnen Stufen werden jeweils immer nur die
zusätzlichen Maßnahmen (bzw. die Veränderungen) zur
vorhergehenden Stufe genannt.
Weiterhin läßt sich das Sicherheitsniveau der Stufen 4 bis
6 durch weitere Maßnahmen "aufwerten". Diese zusätzlichen
Maßnahmen sind in Tabelle 2 dargestellt und werden
anschließend erläutert.
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Stufe
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Maßnahme
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0
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Klassische Informationssicherheitsmaßnahmen (PW, Firewalls,
...). Unverschlüsselte Übertragung und Speicherung
der Daten
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1
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Verschlüsselte Übertragung und Speicherung der Daten
in allen Netzen. Einheitlicher Schlüssel für alle
Endanwender. Wechsel des Schlüssels nie oder nur sporadisch.
Speicherung des Schlüssels beim Endanwender
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2
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Unterschiedliche Schlüssel für die Endanwender
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3
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Endanwender setzt Sitzungsschlüssel (session keys)
ein. Speicherung der Schlüssel beim Endanwender.
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4
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Speicherung der Schlüssel in einem
zentralen Schlüssel-Archiv
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5
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Mehrere dezentrale Schlüssel-Archive. Speicherung des
kompletten Schlüssels in einem der
Schlüssel-Archive
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Schlüssel-Archiv enthält nur Pointer auf dezentral
gespeicherte Schlüssel
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6
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Aufteilung des Schlüssels (split keys) in mehrere
Teile und verteilte Speicherung
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Tabelle 1
In der Stufe 0 werden alle Daten in allen Netzen
unverschlüsselt übertragen und gespeichert. Es werden
lediglich "klassische
Informationssicherheitsmaßnahmen" angewendet (wie z.B. der
Zugangsschutz durch Passwörter, das Absichern der internen
Netze gegen das Eindringen von außen durch Firewalls,
Sensibilisierung der End-Anwender für die Risiken der
Informationsverarbeitung, etc.).
Die Daten auf dem Netz können einfach abgehört und
verändert werden. Die Gesamtsicherheit hängt also vom
Sicherheitsniveau der benutzen Netze ab.
In Stufe 1 werden alle Daten in allen Netzen
verschlüsselt übertragen und gespeichert. Zur
Verschlüsselung wird ein einheitlicher Schlüssel für
alle End-Anwender benutzt, der nie oder nur sporadisch gewechselt
wird. Der End-Anwender speichert den Schlüssel bei sich nach
eigenen (Sicherheits-)Vorstellungen. Der Schlüssel wird von
einem Schlüssel-Generator generiert, gespeichert und verteilt. Er
kann jederzeit erneut vom Generator bezogen oder dem Backup des
Schlüssels entnommen werden. Wird (einer) dieser
Schlüssel kompromittiert, so lassen sich alle Daten von
allen End-Anwendern, die mit diesem Schlüssel verschlüsselt
wurden (evtl. auch zukünftige, falls nicht auffällt,
daß der Schlüssel kompromittiert wurde und der
Schlüssel nicht gewechselt wird), entschlüsseln. Ebenso
kann jeder End-Anwender die Daten von allen anderen End-Anwendern
entschlüsseln.
Bei Stufe 2 wird von jedem End-Anwender ein
unterschiedlicher Schlüssel benutzt, der aber ebenfalls
nie oder nur sporadisch gewechselt wird.
Wird (einer) der Schlüssel eines End-Anwenders kompromittiert, so
lassen sich alle Daten, die mit diesem Schlüssel
verschlüsselt wurden (bzw. zukünftig verschlüsselt
werden), entschlüsseln.
In der Stufe 3 kommen Sitzungsschlüssel (session
keys) zum Einsatz. D.h., jeder End-Anwender wechselt bei jeder
Übertragung oder Speicherung den verwendeten Schlüssel. Die
Schlüssel werden beim End-Anwender gespeichert.
Wird nun einer dieser Schlüssel kompromittiert, so
läßt sich damit nur max. ein Dokument entschlüsseln.
Wird jedoch der Rechner des End-Anwenders kompromittiert, so
finden sich dort zu allen verschlüsselten Dokumenten die
dafür verwendeten Schlüssel. Es lassen sich dann also
alle dort gespeicherten Dokumente des End-Anwenders
entschlüsseln.
In Stufe 4 wird ein zentrales Schlüssel-Archiv (Key
Recovery Center) für die Verwaltung aller
Sitzungsschlüssel von allen End-Anwendern eingesetzt.
Die Schlüssel werden nicht mehr beim End-Anwender
gespeichert. Wird einer der Schlüssel erneut benötigt, so
können ihn Berechtigte vom Schlüssel-Archiv
beziehen.
Wird das zentrale Schlüssel-Archiv kompromittiert, so fallen dem
Angreifer alle Schlüssel in die Hände und er kann
alle Dokumente von allen End-Anwendern
entschlüsseln, wenn er auf die verschlüsselten Dokumente
zugreifen kann.
Mit Stufe 5 teilt sich weitere Erhöhung des
Sicherheitsniveaus in zwei Strategien auf:
Zum einen wird ein höheres Niveau als in Stufe 4 dadurch
erreicht, daß im Schlüssel-Archiv nicht die eigentlichen
Schlüssel, sondern nur Pointer auf die Schlüssel, die
dezentral (beim End-Anwender) gespeichert sind, gespeichert werden.
Die Sicherheit ist höher, da die Schlüssel dezentral
gespeichert sind und jeder End-Anwender weitere
informationswert-abhängige Sicherheitsmaßnahmen auf
seinem Rechner ergreifen kann, die ein Angreifer zusätzlich
überwinden muß, nachdem er in das Schlüssel-Archiv
eingedrungen ist.
Zum anderen kann ein höheres Sicherheitsniveau als in Stufe 4
erreicht werden, indem mehrere dezentrale
Schlüssel-Archive eingesetzt werden. Jeder Schlüssel wird
komplett in einem der Schlüssel-Archive gespeichert.
Ein Angreifer muß also wissen, in welchem der
Schlüssel-Archive der gesuchte Schlüssel gespeichert ist
oder er muß in mehrere der Schlüssel-Archive eindringen,
bis er den gesuchten Schlüssel gefunden hat.
In Stufe 6 schließlich wird das Sicherheitsniveau dadurch
noch weiter erhöht, daß jeder Schlüssel in mehrere Teile
(max. entsprechend der Anzahl der eingesetzten Schlüssel-Archive)
geteilt wird (split keys) und diese Teile zur Speicherung auf
mehrere (alle) Schlüssel-Archive verteilt werden. Der Angreifer
muß also herausfinden, welche Schlüssel-Archive Teile des
von ihm gesuchten Schlüssels enthalten und in diese (oder alle)
eindringen. Weiterhin muß es ihm gelingen, die
Schlüsselteile in der richtigen Weise wieder zusammenzusetzen.
Wie in der Einleitung schon angesprochen, lassen sich die Stufen 4 bis
6 durch die zusätzliche Anwendung der ersten bzw. beider der
in Tabelle 2 aufgelisteten Maßnahmen weiter "aufwerten".
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Aufwertung
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Maßnahme
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+1
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Verschlüsselung der in den Schlüssel-Archiven
abgelegten Daten
|
|
+2
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Speicherung der privaten Schlüssel der Schlüssel-Archive in
einem Master Schlüssel-Archiv
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Tabelle 2
Eine Aufwertung der Sicherheitsniveaus 4 bis 6 um eine
Stufe kann dadurch erreicht werden, daß die Daten
(Schlüssel bzw. -Teile oder -Pointer) in dem/den
Schlüssel-Archiv(en) mit dem öfftenlichen
Schlüssel (public key) des jeweiligen Schlüssel-Archivs
verschlüsselt gespeichert werden.
Nur wenn der private Schlüssel (private key) des
Schlüssel-Archivs kompromittiert wird, können alle im
Schlüssel-Archiv gespeicherten Daten entschlüsselt gelesen
werden.
Eine Aufwertung um eine weitere Stufe wird dadurch erreicht,
daß die privaten Schlüssel der einzelnen
Schlüssel-Archive (bzw. des Schlüssel-Archivs), die zum
Entschlüsseln der in den Schlüssel-Archiven gespeicherten
Daten (Schlüssel bzw. -Teile oder -Pointer) benötigt werden,
nicht im Schlüssel-Archiv selbst, sondern in einem weiteren -
extra abgesicherten - Master Schlüssel-Archiv (Master Key
Recovery Center) abgelegt werden.
Ein Angreifer muß nun zusätzlich in dieses Master
Schlüssel-Archiv eindringen und sich die (den) privaten
Schlüssel besorgen, um die in den Schlüssel-Archiven
gespeicherten Daten entschlüsseln zu können.
Eine weitere (theoretische) Sicherheitsmaßnahme ist das Prinzip
der "Unvollständigen Hinterlegung" (partial escrowing).
Dabei werden die Schlüssel nur unvollständig hinterlegt. Der
fehlende Teil wird bei der Wiederherstellung eines Schlüssels durch eine
"brute force attack" bestimmt.
Allerdings ist der Aufwand zur Wiederherstellung eines Schlüssels
für den Berechtigten und einen Angreifer gleich hoch, so
daß die Erhöhung des Sicherheitsniveaus durch diese
Hinterlegungsart einem unangemessen hohen Aufwand gegenübersteht.
Quellen:
- Key Recovery Center, Vertrauenswürdige Schlüssel-Archive
mit skalierbarer Sicherheit, Projektbericht 1/98 von Prof. Dr. Hartmut
Pohl und Dipl.-Ing. (FH) Dietrich Cerny
- Inhalte der Vorlesungen und Diskussionen in den
Übungsstunden zu dem von Prof. Dr. Hartmut Pohl geleiteten Projekt
SECFORS im SS 1998 an der Fachhochschule Rhein-Sieg
Thomas Hungenberg, <thomas.hungenberg@smail.inf.fh-rhein-sieg.de>
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