Katalonien / Cataluña

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[ Katalonien ] Katalonien (katalan. Catalunya, span. Cataluña) ist eine autonome Region im Nordosten Spaniens. Sie umfaßt die historischen Provinzen Gerona (Girona), Barcelona, Lérida (Lleida) und Tarragona. Katalonien hat eine Fläche von 31.895 qkm und ca. 6 Millionen Einwohner. Die Hauptstadt ist Barcelona und die offiziellen Sprachen sind Katalanisch (Catalán) und Kastilisch (Spanisch). Die Regierung, die »Generalitat de Catalunya«, ist derzeit in 13 Ministerien unterteilt.
Katalonien ist ein Industrieland mit einer abwechslungsreichen Landschaft. Es greift über die Grenzen des etwa 250 km langen, bis 60 km breiten und bis zu 1676 m hohen Katalonischen Berglandes hinaus und umfaßt Teile des südöstlichen Pyrenäenvorlandes sowie Randgebiete des Ebrobeckens. Im Osten wird Katalonien vom Mittelmeer begrenzt.
Das Klima ist mediterran mit kontinentalen Einflüssen. Die ursprüngliche Vegetation wird von Eichengemeinschaften in niedrigeren Lagen, Flaumeichen und Buchen in höheren Lagen und mitteleuropäischen Kiefern und Pinien in der Gipfelregion gebildet.



Die Geschichte

Katalonien war ursprünglich von Iberern besiedelt, später lag das Küstengebiet im Einflußbereich Karthagos. Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr. gewann Rom die Vorherrschaft und so kam das Land 19 n. Chr. zur römischen Provinz »Hispania Tarraconensis«. Die Mischung aus Ureinwohnern und der zivilisierten Bevölkerung aus Rom führte zur katalanischen Sprache und den katalanischen Einwohnern, die seitdem ständiger Gastgeber für Menschen und Kulturen waren.
Im Jahre 409 drangen Alanen nach Katalonien ein, die 415 den Westgoten weichen mußten. Aus dem Namen beider Völker entstand der Name »Katalonien« (Got-Alanien).
Politisch gesehen wurde Kalalonien nach der arabischen Invasion (711) und der Eroberung durch die Franken (um 800) als ein freies Land zwischen den Arabern auf der Iberischen Halbinsel und den Franken im Norden geboren. Karl der Große schuf dort die Spanische Mark des Frankenreichs. Ende des 9. Jh. machten sich die Grafen der Hauptstadt Barcelona unabhängig. Durch Heirat kam die im 12. Jahrhundert mit Katalonien weitgehend identische Grafschaft Barcelona 1137 zu Aragonien.
Im Mittelalter festigte Katalonien seinen Status als eine Nation, die als Brücke zwischen zwei Kulturen, dem Islam und dem Christentum, fungierte. Der katalanische Handel beherrschte den Mittelmeerraum und entwickelte seine eigenen Gesetze und Techniken. Expansionen brachten das Land bis zur französischen Provence im Norden, bis Aragonien im Westen, bis zu den Balearen, Sardinien und Korsika im Osten und bis Valencia im Süden, sowie teilweise weiter bis Sizilien, Napoli und Nordafrika.
Dichtung und Philosophie sowie romanische und gotische Kunst genossen großes Ansehen in Katalonien. Katalonien war die treibende Kraft hinter dem föderalistischen und demokratischen System und seine mittelalterlichen Institutionen waren die Vorläufer der modernen Demokratien.
Während der Renaissance starb die katalanische Dynastie aus und ein neues Königshaus, aus Kastilien, bestieg den Thron. Katalonien behielt jedoch seine politische Unabhängigkeit. Es beteiligte sich nicht mit Kastilien an der Eroberung Amerikas und so verlor der Mittelmeerraum langsam aber stetig seine Bedeutung.
Im Jahre 1640 fiel Katalonien dem Krieg zwischen Kastilien und Frankreich zum Opfer und wurde zwischen den beiden Seiten aufgeteilt. Es behielt jedoch seine Verfassung und Gesetze.
Der Niedergang Kataloniens begann zu der Zeit, als Portugal seine Unabhängigkeit erlangte. Der Zentralismus und Kolonialisierungsgeist Kastiliens gegenüber Katalonien nahm mit der Zeit zu, bis sich im Jahre 1714 Kastilien und Frankreich verbündeten und im »Erbfolgekrieg« Katalonien, England und Österreich besiegten. Kastilien annektierte Katalonien und alle seine Territorien nach dem Eroberungsrecht, hob alle katalanischen Rechte auf und verbot die katalanische Sprache.
Aber während Spanien von den Steuereinkünften seiner Kolonien lebte, wurde Katalonien mit seinem Unternehmungsgeist das reichste und am meisten industialisierte Gebiet der Iberischen Halbinsel. Innerhalb eines Jahrhunderts gewann Katalonien alle seine ehemals hervorhebenden Merkmale zurück.
In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Katalonien allmählich organisiert und politischer katalanischer Nationalismus begleitete die wachsende wirtschaftliche Entwicklung am Ende des Jahrhunderts. Bis zum ersten Drittel des 20. Jahrhunderts erlebte Katalonien eine neue Zeit von kultureller Pracht.
Modernismus und die Avantgardistenbewegung der Maler, Schriftsteller und Architekten brachten Katalonien erneut an die Spitze der fortschrittlichsten europäischen Bewegungen. Dieses Phänomen hatte Parallelen in der politischen Organisation des Landes, die ihre politischen Institutionen wiedererlangte und nach dem Sturz der Monarchie 1932 die Autonomie erhielt.
Während des 1936 beginnenden Spanischen Bürgerkriegs kämpfte Katalonien auf der republikanischen Seite. Mit seiner Eroberung im Januar/Februar 1939 war der Krieg entschieden und Katalonien verlor seine Autonomie wieder. Seine Sprache wurde erneut verboten, seine Kultur verfolgt und ein Prozeß der brutalen Repression begann, der sogar zur Exekution des damaligen katalanischen Präsidenten führte.
Ab 1969 kam es zur Bildung politischer Organisationen gegen die Zentralregierung. Nach Protestdemonstrationen 1976 gewährte die spanische Regierung der Region Katalonien 1977 beschränkte Autonomie mit der Einsetzung einer provisorischen »Generalitat« (Regierung), der schrittweise die Verwaltung der vier Provinzen Barcelona, Tarragona, Lérida und Gerona übertragen wurde. Im Frühjahr 1980 wurde nach den Wahlen zum Regionalparlament auf Grund des spanischen Autonomiegesetzes für Katalonien von 1979 eine reguläre Regierung gebildet.



Die heutige Wirtschaft

Katalonien ist eines der am frühesten industrialisierten Länder Europas. Es war die einzige Gegend auf der Iberischen Halbinsel bzw. im westlichen Mittelmeerraum, die bereits im 19. Jahrhundert ihre industrielle Revolution herbeiführte. Seitdem wurde eine beachtliche Industrie in Katalonien aufgebaut. Zuerst im Bereich Textilien, später auch in anderen Bereichen wie Motoren (sowohl Seat als auch Nissan haben dort ihre Hauptfabriken), Nahrungsmittel, Chemie, Elektronik und ein wichtiger Industriezweig auf der Basis von Benzin-Nebenprodukten als Konsequenz der Nähe zu einer Raffinerie in Tarragona.
Neben dieser Industriebasis hat sich ein weit diversifizierter tertiärer Sektor entwickelt. Eines der Hauptcharakteristika der Lokalisierung in Katalonien ist die dort existierende Quantität und Qualität von Dienstleistungen für Unternehmen.
Der Tourismus, mit mehr als 15 Millionen Besuchern jährlich, ist ein weiterer wichtiger Wirtschaftsfaktor. Katalonien ist das größte Touristenzentrum im Mittelmeerraum, basierend auf dem Küstentourismus mit einem immer weiter wachsenden Angebot an Attraktionen, aber auch auf dem Binnentourismus mit seinen künsterlischen, kulturellen und gastronomischen Interessen.
Auf der anderen Seite gibt es in den verwilderten Gebieten der Katalonischen Pyrenäen und den unbewohnten Gebirgsketten im Süden exzellente Bedingungen für Naturliebhaber und Abenteuersportler.
Die katalanische Landwirtschaft ist ein vergleichsweise unbedeutender Sektor in Relation zu Industrie und Dienstleistungen, konkurriert jedoch in einer Reihe von Subsektoren weltweit. Dies sind z. B. Produkte wie Wein, frische Früchte, Schweinefleisch und Fleisch-Nebenprodukte.
Katalonien ist ein wichtiges Industrieland und eine der Gegenden Spaniens, deren pro-Kopf Einkommen dem EU-Durchschnitt entspricht und damit 24% über dem Durchschnitt Spaniens liegt. 15,9% der arbeitenden Bevölkerung Spaniens leben in Katalonien und erzeugen ca. 20% von Spaniens Bruttosozialprodukt.



Einige Daten (1996)


Bevölkerung

  • Fläche: 31.895 qkm
  • Bevölkerung: 6.090.040 Einwohner
  • Bevölkerungsdichte: 191 Einwohner/qkm

Wirtschaft

  • Bruttoinlandsprodukt: 82.862 Mio. ECU
  • Bruttoinlandsprodukt pro Kopf: 13.607 ECU
  • Anteil pro Sektor:
    • Landwirtschaft: 1,5 %
    • Industrie: 30,6%
    • Dienstleistung: 60,6%
    • Baukonstruktion: 7,2%
  • Beschäftigungsgrad (1997): 53,0%
  • reg. Arbeitslosenrate (1997): 9,2%

Infrastruktur

  • Eisenbahn: 1.476 km
  • Autobahn: 743 km
  • andere Straßen: 11.192 km
  • Internationale Flughäfen: 3
  • private Autos pro 1000 Einwohner: 569
  • Telefonanschlüsse pro 1000 Einwohner: 467,2
  • Universitäten: 9
  • Anzahl der Vollzeitschüler: 1.089.594
  • Krankenhausbetten pro 1000 Einwohner: 5,4


Quellen und Literaturhinweise



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