Diplomarbeit
Entwicklung eines Systems zur Ermittlung von Bedrohungspotentialen in vernetzten Systemen
Thomas Hungenberg und Stephan Baum
ZusammenfassungDiese Arbeit beschreibt den Entwurf und die prototypische Implementierung eines Systems zur Simulation und Visualisierung von Bedrohungspotentialen in vernetzten Umgebungen. Dabei handelt es sich um ein flexibel konfigurierbares und erweiterbares Werkzeug, welches die symptomatische Simulation und die Darstellung der prinzipiellen Wirkungsweise von Bedrohungen sowie möglicher Sicherungsmaßnahmen in beliebigen Netzwerkkonfigurationen ermöglicht. Der Einsatz dieses Systems erlaubt einer Person mit entsprechendem Fachwissen auf dem Gebiet der IT-Sicherheit, die Bedeutung der möglichen Gefahren für ein vernetztes System und die in ihm gespeicherten Daten einer anderen Person, die nicht über das nötige Know-how verfügt, auf verständliche Art und Weise zu vermitteln. 1 Motivation
Administratoren und technisch versierten Anwendern ist
bekannt, daß innerhalb von Datennetzen Bedrohungen
existieren, die sich in unerwünschter Art und Weise
auf die vernetzten Systeme und die Netzwerkinfrastruktur
auswirken können. Insbesondere sind neben
prinzipiellen Software-Schwächen auch die
kritischen Konfigurationen bekannt, die oft sogar als
Voreinstellungen ausgeliefert werden und zum Beispiel
die Verbreitung von Schadensroutinen per E-Mail erlauben
bzw. begünstigen. Die Praxis zeigt jedoch,
daß dieses Wissen um vorhandene Schwachstellen
bisher nicht in ausreichender Weise in geeignete
Sicherungsmaßnahmen umgesetzt wird.
Abbildung 1: Beratung - der typische Anwendungsfall 2 Stand der Technik
Nach der Definition der Anforderungen an eine solche
Software wurde der Stand der Technik analysiert, um zu
prüfen, welche bereits existierenden Lösungen
bei seiner Entwicklung eingesetzt werden
könnten. Dabei wurden verschiedene Werkzeuge zur
Simulation von Netzwerken sowie zur Visualisierung von
Netzwerkkonfigurationen untersucht (u. a. wurden
die in [Baj99],
[Coh99],
[Dup88],
[Est96],
[Est99],
[Fal99] und
[Kes88]
beschriebenen Systeme betrachtet).
3 Realisierung
Das entwickelte System zur Simulation von
Bedrohungsszenarien ist in drei Schichten unterteilt:
Kernsystem, Entkopplungsschicht und
Ein-/Ausgabe-Schicht. Diese Strukturierung entspricht
dem 'Facade'-Entwurfsmuster mit seinen Elementen
'subsystem', 'facade' und 'clients' [Gam96].
3.1 Kernsystem
Im Kernsystem findet die eigentliche Simulation der
Bedrohungsszenarien statt. Dazu wird zunächst der
statische Zustand des zu betrachtenden Netzwerks
-- bestehend aus der Netzwerk-Topologie und der
Konfiguration der Netzwerk-Knoten -- erfaßt.
3.2 Entkopplungsschicht
Die Entkopplungsschicht trennt die Implementierung des
Kernsystems von der zur Verfügung gestellten
Funktionalität, indem sie das Kernsystem kapselt
und die Steuerung des getakteten Simulationsablaufs
übernimmt.
3.3 Ein-/Ausgabe-Schicht
Diese Schicht umfaßt all die Komponenten,
über die der Benutzer mit dem System interagieren
kann. Dazu gehören insbesondere die graphische
Bedienoberfläche (GUI) und die Funktionen zum
Einlesen von Konfigurationsdaten in das Kernsystem.
Abbildung 2: Screenshot einer Simulation von Auswirkungen eines E-Mail-Wurms 3.4 SimulationstaktungDie Simulation läuft getaktet in der Art und Weise ab, daß zu jedem Zeitpunkt immer nur eine einzelne Netzwerkkomponente aktiv ist. Dadurch ist gewährleistet, daß die Simulation schrittweise ausgeführt werden kann und es nicht zu zeitlich parallelen Ereignissen an verschiedenen Stellen der Topologie kommen kann. Im Vergleich zu einer ungetakteten bzw. parallelen Simulationsmethodik erleichtert dies die Beobachtung und Steuerung des Simulationsablaufs durch den Benutzer. 4 AusblickBei der im Rahmen dieser Arbeit durchgeführten prototypischen Implementierung lag der Schwerpunkt auf der Bereitstellung eines Rahmensystems, welches vielfältige Möglichkeiten für zukünftige Erweiterungen des Funktionsumfangs bietet. Einige denkbare Erweiterungen werden im folgenden beschrieben. 4.1 Zusätzliche Bedrohungsarten und NetzwerkdiensteAufbauend auf das vorhandene System können durch die Entwicklung entsprechender Module weitere Bedrohungsarten simuliert werden. Um die Auswirkungen bestimmter Bedrohungsarten zeigen zu können, ist die Implementierung von Dienstmodulen zur Simulation weiterer Netzwerkdienste wünschenswert. 4.2 Erweiterte Möglichkeiten zur Übernahme von Eingabedaten aus Fremdformaten
Bei der derzeitigen prototypischen Implementierung
müssen die Topologiedaten für ein
Bedrohungsszenario entweder manuell erstellt werden oder
können mit Hilfe eines Dateikonverters aus den von
dem Netzwerk-Editor 'Tkined' (Teil der
Netzwerkmanagement-Plattform 'Scotty' [Scotty]) gespeicherten Daten
gewonnen werden. Die Konfigurationsdaten für die
Netzwerkkomponenten eines Bedrohungsszenarios
müssen derzeit manuell erstellt werden.
4.3 Szenario-EditorEine Erweiterung, welche die Benutzung des Systems erleichtern würde, wäre die Integration eines vollständigen Szenario-Editors, der die Erstellung und Modifikation von Bedrohungsszenarien direkt über die graphische Bedienoberfläche des Systems ermöglicht. Eine konsequente Plausibilitätsprüfung könnte dabei helfen, mögliche Fehler in der Konfiguration zu vermeiden. 4.4 Erweiterte Visualisierung
Im Bereich der Visualisierung sind zahlreiche
Erweiterungen möglich und zum produktiven Einsatz
des Systems für Beratungszwecke teilweise auch
erforderlich, um dem Beobachter einer Simulation die
darin ablaufenden Vorgänge möglichst intuitiv
veranschaulichen zu können.
Literatur
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