IT-Sicherheit
- Einleitung
- Grundlagen der Informationssicherheit
- Tipps zum sicheren Arbeiten
Sicherer Umgang mit Passwörtern
Dieses Dokument beschreibt, welche Kriterien "gute" und "schlechte"
Passwörter auszeichnen und wie man mit seinen nach diesen Kriterien
gewählten Passwörtern sicher umgeht.
Einleitung
Passwörter sind das am meisten genutzte Verfahren zur Authentifizierung von Benutzern.
Auch wenn andere Verfahren im Einsatz sind, wie z. B. auf der Basis von "Tokens"
(Chipkarten etc.) oder biometrischen Merkmalen, so stellen diese meist nur eine
Ergänzung zu konventionellen Benutzerkennungen und Passwörtern und keinen Ersatz
für diese dar.
Passwörter sind auf den meisten informationsverarbeitenden Systemen
der primäre Schutz gegen Eindringlinge. Um das (eigene) System und
die darin gespeicherten Daten gegen unbefugten Zugriff und Missbrauch zu schützen,
müssen "gute" (oder "robuste", d. h. ausreichend sichere)
Passwörter gewählt und diese sorgfältig behandelt werden.
Studien zeigen jedoch, dass die meisten Benutzer Passwörter wählen,
die recht einfach zu erraten sind – z. B. ihren Benutzernamen,
ihre Initialen, ihr Geburtsdatum, den Namen eines Familienmitglieds
oder Haustiers oder andere personenbezogenen Daten.
Neben dieser Art Passwörter, die praktisch keinen sicheren Schutz
bieten, gibt es eine Vielzahl weiterer Passwörter, die ebenfalls als
unsicher anzusehen sind und dennoch oft verwendet werden.
In diese Kategorie fallen auch alle Wörter, die in einem Lexikon oder
Wörterbuch irgendeiner Sprache zu finden sind, wie z. B. deutsche
oder englische Wörter, Namen von berühmten Personen, Tieren, Fahrzeugen
oder Städten.
Verzeichnisse gängiger Passwörter, wie sie u. a. im Internet
zu finden sind, enthalten außerdem weitere Zeichenketten, wie z. B.
Namen von Charakteren aus Filmen oder Romanen, Bezeichnungen von
Gegenständen aus Science-Fiction-Serien oder einfache Ziffern- und
Buchstabenketten. Auch solche Wörter sollten keinesfalls als Passwort
verwendet werden.
Mit Hilfe von elektronischen Wörterbüchern ist ein Angreifer heute in der Lage,
einen Großteil der Passwörter, die Benutzer üblicherweise wählen, zu erraten.
Wenn jedoch ein "gutes" Passwort (nachfolgend dazu mehr) gewählt wird, sollte es
einem Angreifer nicht möglich sein, dieses zu erraten – egal ob
mit oder ohne Wörterbuch.
Auch die Länge eines Passworts ist ein entscheidendes Kriterium für seine
Robustheit. Wenn ein Benutzer ein Passwort aus zufälligen Zeichen gewählt hat,
so dass dieses nach vorgenannten Kriterien nicht einfach zu erraten oder mit
Hilfe von Wörterbüchern zu finden ist, muss ein Angreifer nacheinander
alle möglichen Zeichenkombinationen ausprobieren, bis er das richtige Passwort
gefunden hat (so genannter "Brute-Force-Angriff").
Natürlich wurde dieser Prozess bereits automatisiert. Theoretisch dauert es
um so länger, das richtige Passwort durch Ausprobieren aller möglichen
Zeichenkombinationen herauszufinden, je länger das gewählte Passwort ist.
Der benötigte Zeitaufwand steigt mit zunehmender Länge des Passworts exponentiell.
Bei einem Passwort bestehend aus acht zufällig gewählten Zeichen aus der Menge
aller Kleinbuchstaben, Großbuchstaben, Ziffern sowie einiger Sonderzeichen
(insgesamt also ein Vorrat von ca. 80 Zeichen) gibt es ungefähr
1.680.000.000.000.000 mögliche Kombinationen.
Mit einem System, welches eine Million Kombinationen pro Sekunde ausprobieren kann,
würde es durchschnittlich 25 Jahre dauern, das richtige Passwort herauszufinden.
Verkürzt man die Länge des Passworts von acht auf sechs Zeichen, so gibt es nur
noch ca. 262.000.000.000 mögliche Kombinationen.
Das richtige Passwort könnte mit einem Computer o. g. Rechenleistung dann
in durchschnittlich lediglich 1,5 Tagen herausgefunden werden.
Schlechte Passwörter
Das schlechteste aller Passwörter ist gar keines. Benutzerkennungen, die nicht
durch ein Passwort geschützt sind, stellen ein hohes Risiko für die
Sicherheit eines Systems und die in ihm gespeicherten Daten dar.
Ebenfalls kritisch sind nach einem bestimmten Schema (automatisch) generierte
oder vom Systemadministrator vergebene Standard-Passwörter, die nicht vom
Benutzer geändert wurden.
Nachfolgend sind einige Beispiele aufgeführt, welche Passwörter als "schlecht"
(d. h. nicht ausreichend sicher) anzusehen sind und keinesfalls
verwendet werden sollten:
- Die Benutzerkennung,
- der Vor- oder Nachname des Benutzers,
- Namen von Familienmitgliedern, Lebenspartnern, Freunden oder Haustieren,
- Zeichenfolgen, die sich aus dem persönlichen Umfeld des Benutzers
ergeben, z. B. Datumsangaben (02081971),
Adressangaben (PostStr42) oder
Vereinsnamen (TSVKoeln),
- einfache Buchstaben- oder Ziffernfolgen (qwertz, abcdef, 12345678, 08154711),
- Namen von Städten, Orten oder Ländern (Hamburg, Bodensee, Mexiko),
- gängige Wörter aus natürlichen Sprachen (Sonne, holiday, musica),
- Namen von Gegenständen oder Personen aus Filmen und Romanen (Enterprise,
Spock, Romeo, Hamlet),
- der Name des Unternehmens bzw. der Institution, in der man arbeitet,
- der Name des Systems, auf dem das Passwort gültig ist,
- Zeichenketten, die häufig als Passwörter bei Standardinstallationen oder für
Gastkennungen vergeben werden (admin, test, gast, guest).
Als unsicher sind jedoch nicht nur die oben dargestellten Arten
von Passwörtern, sondern auch alle einfachen Ableitungen daraus
anzusehen. Dies sind beispielsweise:
- Der Begriff rückwärts geschrieben,
- der Begriff mit abwechselnden Groß- und Kleinbuchstaben geschrieben,
- der Begriff, ergänzt um eine einzelne Ziffer oder ein einzelnes Sonderzeichen
am Anfang oder Ende.
Gute Passwörter
Ein "gutes" Passwort sollte keine der oben aufgelisteten Eigenschaften aufweisen
und außerdem folgende Kriterien erfüllen:
-
Das Passwort sollte mindestens acht lang Zeichen sein.
Achtung: Bei einigen (älteren) Systemen ist die Länge eines Passworts auf
acht Zeichen beschränkt (was bei einem gut gewählten Passwort jedoch eine
ausreichende Sicherheit bietet, wie die Rechnung oben zeigt). Manchmal ist
auf diesen Systemen die Eingabe von mehr als acht Zeichen möglich, für die
Überprüfung des Passworts sind jedoch immer nur die ersten acht Zeichen
relevant, der Rest wird ignoriert).
-
Das Passwort sollte sowohl Groß- als auch Kleinbuchstaben sowie mindestens
zwei Zeichen aus der Menge der Ziffern und Sonderzeichen (!&$/,:;.- etc.)
enthalten.
Vorsicht ist jedoch bei der Verwendung von Umlauten oder bestimmten Sonderzeichen
geboten: Diese lassen sich nicht auf jeder Tastatur problemlos eingeben
(z. B. wenn diese nicht über ein deutschsprachiges Tastaturlayout verfügt),
was unter Umständen eine Anmeldung unmöglich macht!
Tipps zur Wahl von guten Passwörtern
Nachdem nun viele Kriterien genannt wurden, die ein gutes Passwort auszeichnen,
stellt sich die Frage, wie man ein solches Passwort geschickt wählt –
denn ein ansich gutes Passwort ist auch schlecht, wenn es so schwer zu merken ist,
dass es irgendwo aufgeschrieben werden muss (und schlimmstenfalls dann auf einem
Zettel steht, welcher am Bildschirm oder unter der Tastatur klebt).
Nachfolgend werden drei Verfahren vorgestellt, mit denen sich gute Passwörter
erzeugen lassen, die anschließend für den Erzeugenden, da dieser die "Eselsbrücken"
kennt) einfach zu merken sind.
Collage-Verfahren
Man wählt mehrere kurze Wörter und kombiniert diese mit Ziffern und Sonderzeichen.
Dabei sollten sowohl Groß- als auch Kleinbuchstaben benutzt werden.
Beispiele: "Zug+2Weg" oder "Tee!Rot5".
Alternativ kann man auch ein beliebiges Wort wählen und dieses in eine andere
Sprache übersetzen. Dann nimmt man von beiden Wörtern die ersten drei Buchstaben
(die natürlich in beiden Wörtern unterschiedlich sein sollten) und kombiniert
diese wie oben geschildert.
Beispiele: Aus "Anfang" und "beginning" wird "ANF4beg7" oder aus
"Bild" und "image" wird "Ima2+Bil".
Akronym-Verfahren
Man wählt einen beliebigen Satz, den man sich selbst gut merken kann. Dabei sollte
es sich jedoch nicht um ein berühmtes Zitat o. ä. handeln.
Als Passwort verwendet man die Anfangsbuchstaben der Wörter dieses Satzes und
ersetzt geeignete Wörter durch entsprechende Ziffern bzw. Sonderzeichen.
Beispiel: Aus "Passwort hat acht Zeichen und ist ausreichend sicher" wird
"Ph8Z&ias".
Wortverfremdung
Man wählt ein Wort, schreibt dieses absichtlich falsch und ersetzt anschließend
einzelne Buchstaben durch ähnlich aussehende Ziffern oder Sonderzeichen.
Beispiel: Aus "Security" wird "Se(vr1tY".
Sicherer Umgang mit Passwörtern
Ein nach obigen Kriterien gewähltes "gutes" Passwort gewährleistet keinen Schutz,
wenn es selbst nicht ausreichend vor unbefugtem Zugriff geschützt wird und
dadurch (vielleicht sogar unbemerkt) Dritte Kenntnis des Passworts erlangen
könnten.
Nachfolgend sind einige wichtige Regeln aufgelistet, die beim Umgang mit
Passwörtern unbedingt beachtet werden sollten.
Die oberste Regel beim Umgang mit Passwörtern sollte sein:
"Behandle deine Passwörter wie deine Zahnbürste: Benutze sie täglich,
wechsle sie regelmäßig und teile sie NICHT mit deinen Freunden!"
(Zitat aus dem Usenet)
Weitere wichtige Regeln, die teilweise schon angesprochen wurden:
-
Ein Passwort sollte nur dem Inhaber der dazugehörigen Benutzerkennung
bekannt sein und auch an Freunde oder Bekannte niemals weitergegeben werden.
-
Man sollte sich bei der Eingabe eines Passworts nicht über die Schulter schauen
lassen.
Auch wenn ein Dritter das Passwort bei der Eingabe nicht genau erkennen kann,
so ist es ihm – je nach Verteilung der in dem Passwort enthaltenen
Zeichen auf der Tastatur und dem eigenen "Tippverhalten" – durch
seine Beobachtung unter Umständen möglich, den Zeichenvorrat für einen Brute-Force-Angriff
(wie oben erläutert) stark einzuschränken und das Passwort auf diesem Wege
schnell herauszufinden.
-
Passwörter sollten möglichst niemals aufgeschrieben und insbesondere nicht
in der Nähe eines Systems aufbewahrt werden, auf dem sie gültig sind
(keine Zettel am Bildschirm, unter der Tastatur oder in der Schublade!).
Muss ein Passwort aus einem besonderen Grund dennoch einmal notiert werden,
so sollte es keinesfalls als solches erkennbar sein – man könnte es z. B.
auf eine für Dritte nicht leicht durchschaubare Weise mit weiteren
Zeichen mischen. Weiterhin sollte ein Passwort niemals zusammen mit der
Benutzerkennung oder dem Namen des Systems, auf dem es gültig ist, aufgeschrieben
werden – auch ein "verfremdetes" Passwort nicht.
-
Passwörter sollten niemals elektronisch gespeichert (Datei mit
Passwortliste auf der Festplatte) oder per E-Mail versendet werden –
es sei denn, die Datei bzw. E-Mail wird ausreichend stark verschlüsselt.
Auch die von vielen Anwendungen angebotene Option "Passwort speichern"
sollte – auch wenn sie nützlich erscheinen mag – möglichst
nicht verwendet werden, da die Passwörter dabei meist nicht ausreichend stark
verschlüsselt oder im schlimmsten Fall sogar im Klartext auf der Festplatte
gespeichert werden.
-
Wird bekannt oder vermutet, dass ein unbefugter Dritter – absichtlich
oder versehentlich – Kenntnis von einem Passwort erlangt hat,
so sollte das Passwort umgehend geändert werden.
-
Alle Passwörter sollten in angemessenen Abständen geändert werden.
"Angemessen" hängt dabei von den Anforderungen an die Sicherheit des Systems
und den darauf gespeicherten Daten ab. Üblicherweise ist ein Intervall von drei
bis sechs Monaten bei normalen Benutzerkennungen und ein Intervall von ein bis zwei
Monaten bei priviligierten Konten ausreichend.
-
Für verschiedene Benutzerkennungen auf einem System bzw. für
identische Kennungen auf verschiedenen Systemen sollten unbedingt auch
unterschiedliche Passwörter gewählt werden.
Werden viele Passwörter benötigt, empfiehlt es sich – um sich diese
merken zu können und nicht aufscheiben zu müssen – "Familien" von
Passwörtern anzulegen. Diese Passwörter sollten auf eine für den Inhaber
systematische, für Dritte aber nicht offensichtliche Weise erzeugt werden.
Neben diesen für alle Benutzer wichtigen Regeln sollten Systemadministratoren
außerdem auch die folgenden Punkte beherzigen:
-
Jede Benutzerkennung sollte mit einem Passwort versehen sein. Es sollte
keine Anmeldung unter irgendeiner Benutzerkennung ohne die Eingabe
eines Passworts möglich sein (auch nicht bei "Gast"- oder "Test"-Konten).
-
Auf einem neu installierten oder vorinstalliert gelieferten System sollten alle
vorhandenen Standard-Passwörter geändert werden, bevor das System
zur Anmeldung für Benutzer freigegeben wird.
-
Es sollte unbedingt vermieden werden, "Gruppenkennungen" einzurichten, bei der
sich mehrere oder alle Mitglieder einer Arbeitsgruppe unter der gleichen Benutzerkennung
und mit einem einzigen Passwort am System anmelden.
Gruppenkennungen können u. a. zu folgenden Problemen führen:
-
Eines der Gruppenmitglieder macht versehentlich oder absichtlich (Saboteur)
einen Fehler. Dieser wirkt sich bei einer Gruppenkennung schnell auf den
kompletten Datenbestand der Arbeitsgruppe aus.
-
Im Fehlerfall ist es schwierig, den Verursacher zu identifizieren, wenn dieser
sich nicht freiwillig meldet.
-
Mit wachsender Anzahl von Mitgliedern der Arbeitsgruppe (und
somit auch der Anzahl von Personen, denen das gemeinsame Passwort bekannt
ist) steigt die Gefahr, dass das Passwort an Dritte
weitergegeben wird.
-
Man verliert schnell den Überblick, wem das gemeinsame Passwort (z. B.
auch noch nach dem Ausscheiden aus der Arbeitsgruppe) bekannt ist und wem nicht.
-
Scheidet ein Mitarbeiter aus dem Unternehmen aus, sollte (soweit keine
besonderen Gründe dagegen sprechen) das Passwort seines Benutzerkontos
umgehend geändert bzw. das Konto deaktiviert oder gelöscht werden.